Frühjahrstagung der Waldbauern auf :metabolon in Lindlar

Frühjahrstagung der Waldbauern auf :metabolon in Lindlar

Zur diesjährigen Frühjahrstagung des Waldbauernverbandes Nordrhein-Westfalens (WBV) am 3./4. März 2015 konnte der 2. Stellvertretende Vorsitzende, Hans-Friedrich Hardt, rund 120 Waldbesitzer und Waldbesitzerinnen auf :metabolon in Lindlar begrüßen. Der erste Tag des Waldbauernlehrgangs stand dabei ganz im Zeichen der Entgeltordnung des Landesbetriebes Wald und Holz NRW.

 

In seinem Eröffnungsvortrag rief der Waldbauernvorsitzende, Dr. Philipp Freiherr Heereman, die Waldbesitzer auf, die aktuelle Diskussion über die neue Struktur der Entgeltordnung zu nutzen, um gemeinsam mit den Mitgliedern in den Forstwirtschaftlichen Zusammenschlüssen (FWZ) eine bewusste Entscheidung für einen künftigen Dienstleister zu treffen. Weiterhin referierte Heereman über aktuelle forstpolitische Themen, insbesondere zur Biodiversitätsstrategie NRW. Die Verbandsveranstaltung zum Strategiepapier am 19. Januar 2015 in Werl war mit über 500 Teilnehmern ein wichtiges Signal an die Politik. Doch obwohl die Waldbesitzer hier dem zuständigen Abteilungsleiter, Dr. Martin Woike, klare Botschaften mit nach Düsseldorf gaben, wurde das Strategiepapier bereits einen Tag später vom Landeskabinett verabschiedet. Damit wurden die Einwendungen der Waldbesitzer ignoriert und die Veranstaltung verkam zu einem Schaukampf, so Heereman.

 

In dieser, vom Landeskabinett verabschiedeten Biodiversitätsstrategie tauchte zusätzlich die Zielsetzung zur Errichtung einer Naturerbestiftung auf. Dies war zuvor weder Inhalt in den Entwürfen, noch wurde dies kommuniziert. Da stelle sich die Frage, ob die Kabinettsmitglieder die letzte Fassung des 135 Seiten starken Strategiepapiers mit diesem Trojanischen Pferd, überhaupt im Detail kannten, so der Vorsitzende. Die Naturerbestiftung wird voraussichtlich dazu führen, das die Verantwortung derjenigen Staatswaldflächen, die als Naturschutzgebiete, FFH-Gebiete, Nationalparkflächen, Wildnisgebiete und Naturwaldzellen ausgewiesen sind, künftig der parlamentarischen Kontrolle entzogen und in die Hände eines Stiftungsrates übertragen werden. Will das die Landesregierung? Wollen das die Bürgerinnen und Bürger? Und wer soll dann für diese Flächen zuständig sein?

 

Ganz aktuell berichtete Heereman über die Diskussionen zum neuen Jagdgesetz. Dabei machte er die kritischen Punkte deutlich und betonte, dass mit dem Entwurf starke Einschnitte der Eigentumsrechte verbunden sind. Da das Jagdrecht zum Waldeigentum gehört, gelte es auch hier, für den Erhalt dieser Rechte zu kämpfen. Heereman appellierte deshalb an die Waldbesitzer, an der vom Landesjagdverband organisierten Demonstration am 18. März vor dem Landtag in Düsseldorf teilzunehmen.

 

Nach der Forstpolitik referierte Andreas Wiese für die Versicherungsstelle Deutscher Wald. Aktuell hat der Waldbauernverband einen neuen Sammelvertrag für eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen. Wiese erläuterte, dass hierdurch für Betriebe, die Kleinstflächen besitzen, eine einfache Haftpflichtabsicherung möglich ist. Durch den Sammelvertrag entfällt für den einzelnen Waldbesitzer der übliche Versicherungsgrundbeitrag, den der Waldbauernverband in diesem Sammelvertrag für alle Versicherten übernimmt. Wesentliches Element der Versicherung ist auch die Umweltschadenversicherung.

 

Der Leiter des Fachbereichs Wald im Umweltministerium, Heinrich Brodale, stellte die Entgeltordnung und hier im Wesentlichen die gesetzlichen Rahmenbedingungen und das "Entstehen" einer neuen Entgeltordnung vor. Von der Basis und aus der praktischen Anwendung der Entgeltordnung referierte Franz Püttmann vom Landesbetrieb Wald und Holz. Ein detaillierter Artikel hierzu siehe Ausgabe 2/2015 von Die Waldbauern in NRW.

 

Christoph Kraas stellte als Vorsitzender des Forstunternehmerverbandes NRW die vielfältigen Leistungen der Mitglieder seines Verbandes vor. Er appellierte an die Waldbesitzer, die Forstunternehmer in ihrem Wald einzusetzen. Die Holzpreise sind in einem guten Niveau, so dass sich Durchforstungen nicht nur lohnen, sondern auch den Wald nachhaltig verbessern und stabilisieren. Die Mitglieder des Forstunternehmerverbandes sind bestens ausgebildete Fachleute, die nachhaltiges Wirtschaften im Einklang aller gesetzlichen Vorschriften oder Zertifizierungsvorschriften gewährleisten. Weitere Informationen finden Sie unter www.afl-nrw.de.

 

Der Vorsitzende des Bundesverbandes Freiberuflicher Forstsachverständiger e.V. (BvFF), Bernhard Heuer stellte vor, welche Leistungen seine Mitglieder den Waldbesitzern und ihren Zusammenschlüssen anbieten können. Im Hinblick auf die aktuelle Debatte um die neue Entgeltordnung führte er aus, dass auch komplette Beförsterungen von Forstwirtschaftlichen Zusammenschlüsse übernommen werden können. Erfolgreich läuft dies gerade bei den Forstbetriebsgemeinschaften im Pilotprojekt II. Hier wird bereits seit Jahren eine erfolgreiche Beförsterung ohne den Landesbetrieb Wald und Holz durchgeführt. Heuer bedauerte in diesem Zusammenhang, dass das Land die Zusage, das Projekt landesweit auszudehnen, bislang nicht eingehalten habe und offensichtlich mit Blick auf die Kartelldebatte die Entscheidung durch einen neuen Evaluierungsauftrag hinauszögert.

 

Er führte weiter aus, dass die Beförsterung auf den Pilot-Flächen aktuell rund 30 € /ha kostet. Derzeit würde er als realistischen Wert für die Betreuung eines durchschnittlichen Zusammenschlusses eher 40 €/ha annehmen. Da dieser Wert deutlich über den Entgelten des Landesbetriebes Wald und Holz liegt, spricht sich der Bundesverbandes Freiberuflicher Forstsachverständiger ebenfalls wie der Waldbauernverband für die Einführung der direkten Förderung aus.

 

Fast schon als Appell an die Landesregierung resümierte Heuer zum Schluss, dass die Freiberuflichen Sachverständigen für die Beförsterung bereitstehen. Dies gelinge allerdings nur, wenn die Rahmenbedingungen für die freien Dienstleister und den Landesbetrieb Wald und Holz gleich sind.

 

Wettbewerb ist wichtig, damit sich auch der Landesbetrieb Wald und Holz bewegt, das haben wir durch die Pilotprojekte erfahren, so Heuer. Doch die Anzahl der Freiberuflichen ist aktuell nicht sehr groß, weil bislang durch die niedrigen Beförsterungsentgelte des Landes NRW der Wettbewerb so gut wie gar nicht stattfinden kann. Nähere Auskünfte sind unter www.bvff-ev.de abrufbar.

 

Hans-Friedrich Hardt begrüßte am zweiten Seminartag über 80 Waldbesitzer. Dieser Tag stand ganz im Zeichen des Waldbaus und der Vermarktung von Holz. Frau Ute Nolden-Seemann, Leiterin des Waldpädagogischen Zentrums und Arboretums Burgholz e.V. referierte über die Baumartenvielfalt im Zeichen des Klimawandels.

 

Das Thema ist hochaktuell, denn es zeichnet sich bereits heute ab, dass sich Waldstandorte in verschiedene Richtungen verändern werden und für manche jetzt stockenden Baumarten künftig nicht mehr geeignet sein werden.

 

In welche Richtung sich die Veränderungen entwickeln werden, hängt von zahlreichen Faktoren ab. Beispielhaft nannte Nolden-Seemann das Ausgangsgestein und den Bodentyp sowie die zu erwartenden Niederschläge und ihre Jahresverteilung.

 

Aus der umfangreichen Baumartenpalette des Arboretums brachte sie eine kleine Auswahl zur näheren Betrachtung mit: die Libanonzeder, den Baumhasel, die Amerikanische Schwarznuss und als Größenhighlight den Küstenmammutbaum. Allerdings empfahl Nolden-Seemann nicht, nun komplett auf die vorgestellten Baumarten umzuschwenken. Die Erkenntnisse aus Burgholz sind nicht ohne weiteres auf andere Standorte übertragbar. Hingegen warb sie für ein bisschen Mut und Experimentierfreude auf kleinen Flächen oder in Beimischung. Gerade im Hinblick auf den Klimawandel wisse schließlich heute niemand, wie unsere bisher heimischen Baumarten auf veränderte Bedingungen reagieren werden und welche Baumarten sich alternativ anbieten können.

 

Über die aktuelle Lage auf dem Holzmarkt berichtete Klaus Zocher, Geschäftsführer der Waldholz Sauerland GmbH. Die Holzpreise seien nach wie vor stabil auf hohem Niveau vor allem aufgrund der hohen Holznachfrage aus dem Baugewerbe dank derzeit niedriger Zinsen. Sehr stark sei auch die Nachfrage nach schwachem Stammholz durch die Verpackungsindustrie. Weiterhin merkte Zocher an, dass die Eiche immer noch Trendbaumart sei und empfahl daher jetzt Einschläge durchzuführen als durch abwartendes Verhalten Entwertungen in Kauf zu nehmen. Generell legte er den Waldbesitzern nahe, Durchforstungen durchzuführen und Holz auf den Markt zu bringen.

 

Christoph Böltz vom Landesbetrieb Wald und Holz NRW berichtete über Hintergründe, Entstehung und Inhalte der im Dezember 2014 von der Holz- und Forstbranche unterzeichneten Rahmenvereinbarung für den Rohholzhandel in Deutschland (RVR). Das neue Regelwerk klärt Grundsätzliches zu Sortierung und Messverfahren von Rohholz. Einen Überblicksartikel zum Thema findet sich auch in Ausgabe 1/2015 auf S. 24. Zudem können weiterführende Informationen unter www.rvr-deutschland.de abgerufen werden.  

 

Eine Exkursion in die Waldungen von Hans-Friedrich Hardt beendete zwei sehr erfolgreiche Veranstaltungstage. Die freigegebenen Präsentationen können auf der Homepage des WBV abgerufen werden.

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