Forschung an der Großanlage: Studenten der Fachhochschule Köln experimentieren am Standort der Technischen Hochschule auf :metabolon.

Forschung an der Großanlage: Studenten der Fachhochschule Köln experimentieren am Standort der Technischen Hochschule auf :metabolon.

Wie man aus Biomasse Kohle gewinnen, Sickerwasser von Deponien aufbereiten kann, Biomasse-Verbrennungsanlagen optimiert oder Biogas-Anlagen effektiv geregelt werden können, das erforschen Studenten und Wissenschaftler am europäischen Lehr- und Forschungsstandort auf :metabolon, dem Innovationsprojekt auf dem Gelände der Leppe-Deponie.

 

 

Labore für die Wissenschaftler

 

Seit gestern ist der Campus Gummersbach der Fachhochschule Köln offiziell Technische Hochschule, wie Dr. Michael Bongards, Professor am Institut für Automation und Industrial IT, erfreut anmerkte. Bongards ist wisseschaftlicher Leiter von :metabolon und erläutert die aktuellen Projekte.

Das Besondere am Technikum auf :metabolon sei die Möglichkeit, an Großanlagen zu forschen und eben nicht nur im Labor. In der Forschungshalle wird aktuell eine neue Anlage in Betrieb genommen, mit der Reinigungsverfahren für Sickerwasser von Deponien erforscht werden können. Dazu gibt es zwei parallele Straßen, die vollautomatisch laufen sollen und mit umfangreicher Mess-, Regel- und Steuerungstechnik versehen sind. Aerobe und Anaerobe Reinigungsmethoden können auf ihre Wirksamkeit überprüft werden.

Ebenfalls im Aufbau befindet sich eine Anlage, mit der Kohle erzeugt werden kann. Der Vorgang, für den die Natur Jahrmillionen benötigt hat, kann in dem großen Zylinder mittels hohem Druck und Wärme innerhalb weniger Stunden simuliert werden. Rund drei Kubikmeter fasst der Behälter, der mit heißem Dampf unter Druck gesetzt wird.

 

Biogasanlage läuft vollautomatisch

 

Hydrothermale Karbonisierung lautet der Fachbegriff. Zahlreiche Anwendungsmöglichkeiten biete das Verfahren, berichtet Prof. Bongards. So könnten etwa Pflanzen, die nicht kompostiert werden sollen, wie etwa Bärenklau oder das Drüsige Springkraut, karbonisiert werden. Aber auch Pflanzen, die viel Metall aufgenommen und entsprechen belasten seien, etwa auf ehemaligen Militärgeländen, könnten zu Kohle umgewandelt werden. Das Metall werde bei dem Prozess nicht in der Kohle abgelagert, sondern im Wasser. Das kann wiederum entsprechend untersucht und aufbereitet werden. Es gebe zahlreiche Möglichkeiten, die mit der neuen Anlage erforscht werden könnten. Schon seit geraumer Zeit läuft die Biogasanlage, mit der von Gülle bis Heckenschnitt alles vergoren werden kann, vollautomatisch. Das funktioniert wie ein großer Dampfdrucktopf, in der die Biomasse gekocht wird. Auch hier werden unterschiedlichste Ausgangsmaterialien eingesetzt und getestet. Wichtig sei, dass Energie übrig bleibe, so der 61-Jährige. Er verweist auf einen kleinen gelben Koffer. Das ist ein neues Messgerät, das gerade in der Erprobung ist und die Zusammensetzung des Gases misst.

 

Die ganze Technik ist auf Chips untergebracht und damit sehr kompakt, erläutert der Experte. Und verweist darauf, dass gerade bei der Biogasanlage, aber auch bei anderen Forschungsvorhaben, interdisziplinär gearbeitet werde. Auch die Zusammenarbeit mit anderen Hochschulen wie etwa der RWTH Aachen, der Uni Graz oder dem Fraunhofer Institut werde beim Projekt :metabolon gepflegt.

 

Die Praxisorientierung sei ein weiterer wesentlicher Aspekt der Forschungsprojekte auf :metabolon. Die neuen Entwicklungen könnten vom Technikum direkt in die Praxis umgesetzt werden. Die Infrastruktur und der Betrieb auf der Leppe-Deponie böten dazu ideale Voraussetzungen. Und alle Forschungsprojekte, auch die Biomasse-Verbrennungsanlage in einem Nachbargebäude, stehen unter dem Oberbegriff Stoffumwandlung und Ressourceneffizienz. Materialströme, die CO2 -Bilanz und der ökologische Fußabdruck spielten auch in der Industrie eine immer größere Rolle, sagt Prof. Bongards.

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