Herbsttagung 2017 der Waldbauern auf :metabolon

Herbsttagung 2017 der Waldbauern auf :metabolon

Die diesjährige Herbsttagung lockte über 120 Waldbauern nach Lindlar - standen doch viele spannende Themen auf der Tagesordnung. Eröffnung und Moderation der Veranstaltung übernahm traditionell Hans-Friedrich Hardt, 2. Stellv. Vorsitzender des Waldbauernverbandes NRW. 

 

Über die aktuelle Forstpolitik des Bundes und im Land NRW berichtete der Vorsitzende, Dr. Philipp Freiherr Heereman. Im Fokus standen dieses Jahr die Wahlen und Koalitionsverhandlungen. Die wichtigste Arbeit der Verbände sei die Positionierung gegenüber der Politik vor, während und nach der Wahl, so Heereman. Auf Bundesebene haben sich mehrere Verbände des ländlichen Raums inklusive des Dachverbandes, AGDW – Die Waldeigentümer, zu einem Aktionsbündnis Ländlicher Raum ähnlich wie in Nordrhein-Westfalen zusammengetan und Forderungen an die Bundespolitiker formuliert. Jedoch ist noch kein Ende der Koalitionsgespräche in Sicht. Eine Einbindung oder Berücksichtigung der für die Waldbauern wichtigen Themen ist daher noch gar nicht einschätzbar. Hingegen ist die Politik auf Landesebene klar aufgestellt. Der Waldbauernverband hat hier nach Kräften mitgewirkt. Viele Forderungen fanden als Ziele Eingang in den Koalitionsvertrag, beispielsweise die Sicherstellung einer tragfähigen kartellrechtskonformen Beratung und Holzvermarktung.

 

Heereman und die Geschäftsführerin des Verbandes, Heidrun Buß-Schöne, informierten ausführlich über den aktuellen Sachstand im Kartellverfahren gegen das Land Baden-Württemberg, dessen Auswirkungen auf das Land NRW, die zukünftige Ausgestaltung der Holzvermarktung und die Positionen und das Engagement des Waldbauernverbandes in der Sache. Sie stellten klar heraus, dass die Holzvermarktung zukünftig über private Vermarktungsorganisationen erfolgen müsse, wobei unklar ist, ob die dem Holzverkauf vorgelagerten Tätigkeiten dem Holzverkauf zuzurechnen sind. Zudem müsse das System der indirekten Förderung auf eine direkte Förderung umgestellt werden. Die in diesem Zusammenhang an den Vorstand zuvor herangetragenen Vorwürfe konnten überzeugend widerlegt werden. Abschließend diskutierten die Anwesenden über die Verlängerung der Entgeltordnung bzw. die hierfür erforderlichen Rahmenbedingungen, um sich im Sinne der Mitglieder in der am kommenden Tag angesetzten Sitzung des Forstausschusses zu positionieren.

 

Martin Sturzenhecker vom Landesbetrieb Wald und Holz NRW referierte über das Waldbetretungsrecht. Zum Zwecke der Erholung darf der Wald betreten werden. Hierzu zählen auch Radfahren, Fahren mit Krankenfahrstühlen und das Reiten auf Straßen und Wegen. Dabei haben sich die Waldbesucher entsprechend der Wohlverhaltensklausel gemäß § 4 Abs. 3 Landesforstgesetz NRW (LFoG) zu verhalten: „Wer den Wald betritt, hat sich so zu verhalten, das die Lebensgemeinschaft Wald und die Bewirtschaftung des Waldes nicht gestört, der Wald nicht gefährdet, beschädigt oder verunreinigt sowie andere schutzwürdige Interessen der Waldbesitzer und die Erholung anderer nicht unzumutbar beeinträchtigt werden.“ Außerdem sind die entsprechenden Betretungsverbote gemäß § 3 LFoG, wie das Verbot des Betretens von Forstkulturen und Forstdickungen, von Waldbesuchern einzuhalten. Der Waldbesitzer hat die Betretung seines Waldes zu dulden, wenn diese vorwiegend der Erholung dient und gemeinverträglich ist (z.B. Joggen in Gruppen, Wanderungen). Dient das Betreten des Waldes überwiegend anderen Zwecken, beispielsweise bei gewerblichen Veranstaltungen wie Hund- und Reitschulen oder Wettkampfsportveranstaltungen, ist es nur bei Zustimmung des Waldbesitzers zulässig. In der Praxis sei es teilweise schwierig festzustellen, ob eine Aktivität unter das allgemeine Waldbetretungsrecht falle, so Sturzenhecker. Weiterhin informierte er über die Befugnisse der Forstschutzbeauftragten, von denen es in NRW gegenwärtig über 20 gibt. Für diese Tätigkeit stehen zumeist Leiter oder Mitarbeiter größerer privater und kommunaler Forstbetriebe bereit. Forstschutzbeauftragte dürfen z.B. Personaldaten von Waldbesuchern erheben und Platzverweise aussprechen. Das Prinzip der Verhältnismäßigkeit müsse bei allen Handlungen stets gewahrt bleiben, so der Referent.

    

Michael Wiggeshoff, Geschäftsführer der Holzkontor Sauerland GmbH (HKS) stellte das 1998 gegründete Unternehmen als Alternative für Waldbesitzer zur Vermarktung des Holzes vor. Das Unternehmen bietet in diesem Bereich unter anderen Holzverkaufsvermittlung, Holzverkauf auf dem Stock und an der Waldstraße an. Weiterhin können Waldbesitzer neben fachlicher Beratung auch Unterstützung bei der Hiebs- und Maßnahmenplanung, bei der Bestandsvorbereitung und Durchführung geplanter Maßnahmen etc. erhalten. Auch Verwaltungstätigkeiten für Forstbetriebsgemeinschaften werden von der HKS übernommen.

 

Die Douglasie und ihr Anbau in NRW standen im Fokus des Vortrags von Dr. Bertram Leder, Leiter der Schwerpunktaufgabe Waldbau und Forstvermehrungsgut beim Landesbetrieb Wald und Holz NRW. Die Douglasien-Fläche in NRW umfasst gegenwärtig etwa 11.250 ha, davon sind 19 % Reinbestände. Vor allem auf Kyrill-Flächen wurden Douglasien gepflanzt. Leder sieht in der Douglasie, d. h. in der Küsten-Douglasie, eine leistungsstarke und ertragreiche Mischbaumart für die Wälder in NRW. Langjährige Anbauversuche würden die Anbauwürdigkeit und die ökologische Zuträglichkeit der Douglasie belegen. Insbesondere mit Blick auf die sich ändernden klimatischen Wuchsbedingungen könne die Douglasie nicht mehr standortgerechte Baumarten wie die Fichte ablösen. Sie biete sogar bereits heute ein deutlich breiteres Spektrum beim Anbau und in der Verwendung. Gleichzeitig wies er darauf hin, dass die Douglasie in ihrer nordamerikanischen Heimat bei einer großen Anzahl von Schadinsekten beliebt sei. Von diesen Schädlingen sind derzeit nur wenige in Europa angekommen, aber stetig werden es mehr. Dies müsse man im Auge behalten, so Leder.

 

Über die Arbeit der AGDW – Die Waldeigentümer in der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) sprach Johannes Ott, Vorstandsmitglied im Sächsischen Waldbesitzerverband und in der Vertreterversammlung der SVLFG Mitglied für die Waldeigentümer. Zunächst stellte er ausführlich die SVLFG-Bereiche Landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft (Unfallversicherung), Kranken-, Pflege- und Alterskasse vor, wobei der Fokus auf der Unfallversicherung lag. Anschließend berichtete er über den engagierten Einsatz des Dachverbandes und seiner Vertreter vor, während und nach der Sozialwahl 2017. Bei allen Aktivitäten der Waldvertreter in den SVLFG-Gremien stehe die Beitragsgerechtigkeit an oberster Stelle, so Ott. Allerdings zeigten seine Ausführungen, wie schwierig es ist, die Interessen der Waldeigentümer in den Gremien der SVLFG auch durchzusetzen.

 

Klaus Pfisterer von der SVLFG, Bereich Leistungen, informierte detailliert über den Versicherungsschutz und die zahlreichen Leistungen der Landwirtschaftlichen Unfallversicherung (Landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft), die sowohl den versicherten Waldbesitzern, als auch den versicherten Funktionsträgern der Forstwirtschaftlichen Zusammenschlüsse (FWZ) zustehen. Im Jahr 2016 wurden der SVLFG 146.908 Unfälle angezeigt, davon 3.750 Wegeunfälle. Bei Forst- und Waldarbeiten ereigneten sich 6,2 % der meldepflichtigen Unfälle. Pfisterer zeigte unter anderem, dass sich die Prinzipien und Leistungen der Unfallversicherung deutlich von denen der gesetzlichen Krankenversicherungen und den privaten Versicherungen unterscheiden und zudem umfangreicher sind. 

 

Die freigegebenen Vorträge können auf der Internetseite des Waldbauernverbandes im internen Mitgliederbereich unter WBV-Veranstaltungen/Veranstaltungsarchiv abgerufen werden.

(WBV)

 

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