agrohort aktuell

29 | 05 | 2010 Radreise in die Heimat - Rund 60 Radfahrer auf dem Weg in die Obstkammern der Region

"Obstsalat aus der Heimat" hieß der Titel der Radreise in die Heimat am 29. Mai in den Süden der Region.

Eigentlich hätte die Tour auch „Das unbekannte Land“ heißen können, welches rund 60 Radfahrer bei bestem Wetter erkunden wollen. Nach Begrüßung durch Rheinbachs Bürgermeister Stepfan Raetz und einem kurzen Rundgang durch das Naturparkzentrum Himmeroder Hof (Naturpark Rheinland) ging es zunächst direkt zum Regionale 2010-Projekt :agrohort, dem Forschungszentrum der Universität Bonn für Garten- und Obstbau. In bequemen Liegestühlen mitten in den Obstplantagen konnten die Teilnehmer erfahren, in welchen Bereichen hier geforscht wird und welchen Einfluss diese Anlage auf den Obstbau – nicht nur in dieser Region – hat. „Wir müssen immer 10 Jahre im Voraus denken“, so PD Dr. Ralf Pude, der seine Forschungen im Bereich neuer Baustoffe und energetischer Verwertung von Biomasse den äußerst interessierten Teilnehmern der Radtour präsentierte. Handfeste Tips für den eigenen Garten gab es bei der Frage nach dem richtigen Kirschbaum. Dieser dürfe erstens nicht alleine stehen und für die richtige Kombination der beiden müsse ein Fachmann konsultiert werden – fast wie im richtigen Leben.

Das richtige Leben, bzw. das Leben in früherer Zeit in dieser von Burgen übersäten Landschaft konnte Dr. Detlev Arens, Bonner Autor, an zwei Bauwerken deutlich machen. Vor Burg Lüftelberg (der Name kommt übrigens von der hl. Lüfthildis und nicht von den Lüftchen, die durch die Region wehen) erläuterte er beispielhaft die Herkunft dieser vielen Burgen, bei denen es wichtig war, den Standort über Generationen zu besetzen, denn sie sicherten einen Platz im Landtag – und weil es so viele waren natürlich auch Einfluss. Der hier vermutbare Übermut wurde aber dadurch im Zaum gehalten, dass die Fürsten Einfluss auf die äußere Gestalt der Burgen nehmen konnten. Wahrscheinlich sind sie deshalb auch alle etwas bescheidener im Auftritt. Die viereckige Form der Burggräben geht übrigens auf die idealtypische Form der Römeranlagen zurück – ein kleiner Hinweis auf das Alter vieler Burgen-Standorte. Auf die zahlreichen Generationen und Personen, die in den Burgen gelebt haben, konnte Arens natürlich nicht eingehen – bis auf den Jesuiten Adam Schall zu Bell, der es – in Lüftelberg geboren – immerhin bis zum ersten Mandarin und Astronomen in China schaffte – der Rückschluss auf die Natur des Rheinländers sei hier jedem selbst überlassen.

Haus Heisterbach schließlich steht stellvertretend für die schon frühen regionalen Beziehungen über den Rhein hinweg. Die Mönche, die um 1202 das Kloster Heisterbach im Siebengebirge und später auch das heutige Haus Heisterbach fertig gestellt hatten, kamen ursprünglich aus Kloster Himmerod in der Eifel nahe Rheinbach – und der hiesige Abgabenhof war eben dieser Himmeroder Hof, an dem diese Radtour ihren Ausgang nahm.
Alle Reisen in die Heimat finden Sie unter http://www.rheinische-welt-ausstellung.de/