aqualon

Projektansatz

Die Große Dhünn-Talsperre als Hauptstandort und „Zentrale“ des Projekts :aqualon ist die zweitgrößte „reine“ Trinkwassertalsperre Deutschlands und liegt im Zentrum eines wasserwirtschaftlichen Gesamtsystems, das nicht nur die Talsperre berücksichtigt, sondern das vollständige Einzugsgebiet des Flusslaufsystems der Dhünn umfasst. Diese gesamte „Planungseinheit Dhünn“ bietet als Region vielfältigste Forschungsmöglichkeiten und versinnbildlicht geradezu das Potenzial der Verstetigung eines ganzheitlichen wissenschaftlichen wie praxisbetonten Ansatzes in der Zusammenfassung bzw. Bündelung und Interaktion von Wasser- und Raumkompetenzen. Bereits heute betreibt der Wupperverband einen wegweisenden ganzheitlichen und systemischen Ansatz zum Schutz und zur Erzeugung höchster Wasserqualität sowie zur Organisation eines geregelten Wasserhaushalts, der das gesamte System des Einzugsgebietes der Dhünn sowie sämtliche Einflussfaktoren auf die Qualität des Wassers betrachtet. Dagegen arbeiten die unterschiedlichen Fachdisziplinen an Hochschulen und Fachinstituten mit Bezug zum Thema Wasser [Wasserwirtschaft, -wissenschaft, Ökologie, Land- und Forstwirtschaft, Raum- und Stadtplanung, Freiraumplanung und Architektur…] auch heute noch mit einer starken sektoralen Ausrichtung. Die Notwendigkeit eines systemischen Ansatzes wurde hier zwar schon erkannt, aber noch nicht in der wissenschaftlichen Praxis durchgesetzt. Durch den ganzheitlichen Ansatz von :aqualon und mit dem interdisziplinären, gesamträumlichen Betrachtungsfeld „Einflussraum Wasserqualität Dhünn“ können die unterschiedlichen Fachkompetenzen erstmals zu einer „Forschungsgemeinschaft Wasser“ zusammengeführt werden!
Der Wupperverband steht dabei als Pate für die in der Region traditionell stark verankerte Kompetenz aller Belange der Wasserwirtschaft - und seiner Wechselwirkung mit dem Raum - mit einem zukunftsgewandten und fortschrittlichen Entwicklungsprofil. Der Rheinisch-Bergische Kreis verkörpert in Ergänzung dazu die räumlichen Kompetenzen im Bezugsraum und steht für offene Synergiepotenziale im Abgleich von Raumplanung und Wasserwirtschaft sowie für Anknüpfungspunkte zu vielen weiteren raumrelevanten Akteuren, um die Einbindung unterschiedlicher Fachdisziplinen im Sinne einer integrierten Raumbetrachtung im interdisziplinären Diskurs sicherzustellen.

Der Projektansatz :aqualon bietet damit die einmalige Chance, einen authentischen und beispielhaften Ort als Betrachtungsraum zu begreifen und zugleich den Austausch und die Vermittlung der hier gesammelten Erkenntnisse erstmalig und als Alleinstellungsmerkmal über Disziplinen hinweg zu betreiben.
Das Einzugsgebiet der Dhünn wird in diesem Ansatz gleichzeitig zu Forschungsobjekt, Anwenderraum, Labor und Vermittlungsort in einem und damit schließlich zum Modellraum. In Weiterentwicklung des bestehenden FlussGebietsGeoinformationsSystems [FluGGS] des Wupperverbandes ist geplant, Analyseergebnisse, Daten und Informationen der jeweiligen Fachdisziplinen zusammenzuführen, übereinander zu legen und allen Beteiligten und Interessierten zur Verfügung zu stellen. Auf diese Weise sollen praxisrelevante Forschungsergebnisse wie z.B. Auswirkungen jeglichen raumbezogenen Handelns auf das Wasser und die Wasserqualität frühzeitig erkennbar werden und eine (wissenschaftliche und öffentliche) Plattform bekommen. Ziel ist die qualitätvolle Entwicklung eines Raums aus dessen Wasserkompetenz heraus, unter der Prämisse, dass sich das übergeordnete Ziel maximaler Wasserqualität auch positiv auf andere Themenbereiche [ökologische Qualität, Naherholungsqualität, Siedlungs- und Wohnqualität…] auswirkt. Über interdisziplinäre Pilotprojekte können beispielhafte Möglichkeiten in der Umsetzung erprobt und frühzeitig sichtbar werden. Schrittweise kann sich so eine wasserkompetente Modell-Region mit beispielhaften Land- und Forstbewirtschaftungen, Siedlungsstrukturen mit geschlossenen Wasserkreisläufen, nachhaltigen Architekturen und Freiraumgestaltungen etc. entwickeln.

Wesentliches Anliegen des Projektes :aqualon wird es dabei sein, neben den Fachleuten der verschiedenen (wissenschaftlichen) wasserwirtschaftlichen Sektoren und anderen Akteuren auch die Bevölkerung vor Ort mitzunehmen – :aqualon darf kein Thema für einen „elitären“ Kreis von Fachleuten unter sich bleiben. Nur wenn es gelingt, die Öffentlichkeit für die Chancen und Möglichkeiten einer nachhaltigen Wasserkompetenz-Region zu begeistern, kann deren schrittweise Realisierung gelingen. Vor diesem Hintergrund ist es auch von entscheidender Bedeutung, dass die sich weiterentwickelnden Erkenntnisse der Wissenschaft und Wirtschaft sowie Chancen und Möglichkeiten des Projektes auch in besonderer Art und Weise der interessierten Öffentlichkeit anschaulich zugänglich gemacht werden. :aqualon braucht daher neben einer zentralen Anlaufstelle auch interessante Vermittlungsstationen in der thematischen Landschaft, die Wasserkompetenz anschaulich vor Augen führen. Als „lernende Region“ soll das Einzugsgebiet der Dhünn alle Bevölkerungsgruppen erreichen und Eigenengagement fördern. Die gezielte Vernetzung mit den Schulen der Region und die Integration des Themas Wasser in deren Lerninhalte und –programme ist einer der Schwerpunkte des Projektes. Schulischer und hochschulisch/ wissenschaftlicher Ansatz sollen sich dabei pädagogisch modellhaft ergänzen.