Liegen im Dienste der Wissenschaft

Liegen im Dienste der Wissenschaft

Im DLR in Köln liegen seit dem 04.03.2010 acht Probanden für drei Wochen lang im Bett. Sie tun dies im Dienste der Wissenschfat, um zu testen, wie der Körper von Astronauten, z.B bei einem langen Marsflug, auf das lange Liegen in der Schwerelosigkeit reagiert und welche Mittel Muskel- und Knochenschäden verringern können.

Die Schwerelosigkeit wird mit einem Neigungswinkel des Bettes von sechs Grad simuliert. Der Körper reagiert in dieser Haltung mit Flüssigkeitsverschiebung, Knochen- und Muskelabbau. Das Nahrungsergänzungsmittel Kaliumbikarbonat könnte die Folgen auf den Knochen- und Muskelstoffwechsel eventuell aufhalten oder zumindest reduzieren. Ernährungswissenschaftlerin Petra Frings-Meuthen teilt deshalb einigen Probanden Brausetabletten mit Kaliumbikarbonat zu, andere trinken lediglich Wasser zu ihren Mahlzeiten. Nach den drei Wochen konsequenter Bettruhe für die Beteiligten soll dann untersucht werden, wie sehr sich Knochen und Muskeln im Laufe der Studie verändert haben.

Einfach war es nicht, geeignete Teilnehmer zu finden. Auch wenn sich auf Aushänge an Unis und Zeitungsanzeigen 300 Interessenten meldeten - bei den umfangreichen medizinischen Tests fielen viele durch. Anschließend wurden die Kandidaten noch in Gesprächen auf ihre psychologische Eignung hin abgeklopft. Gerade einmal 20 Kandidaten kamen für die Kopftieflage-Studie der Ernährungswissenschaftlerin in Frage. Acht davon wurden dann abschließend für die Teilnahme an der Studie ausgewählt.

Strikte Regeln für die Bettruhe

Der Tagesablauf ist für alle strikt reglementiert. Sobald die digitale Uhr im Vorraum 6.30 Uhr anzeigt, werden alle Probanden geweckt. Frühstück, Mittagessen, Duschen - alles hat festgelegte Uhrzeiten, damit alle Teilnehmer in einem regelmäßigen Rhythmus bleiben. Um 23.15 Uhr ist Bettruhe, tagsüber darf nicht geschlafen werden. In jedem der kleinen Zimmer ist eine Videokamera installiert, mit der die Bewegungen des Oberkörpers aufgezeichnet werden. So können die Wissenschaftler bei unerklärbaren wissenschaftlichen Ergebnissen nachvollziehen, was während der Bettruhe geschehen ist. Die Duschzeiten stehen fest, jeder Proband wäscht sich pünktlich im Liegen. Wer zur Toilette muss, benutzt Bettpfanne und Urinflasche.

Gegessen wird, was in der Küche frisch zubereitet wurde, denn für jeden Probanden wurde vorab exakt der Energieverbrauch berechnet. Niemand soll im Laufe der Studie zu- oder abnehmen. Reste auf dem Teller - nicht erlaubt. Nachschlag - ebenfalls nicht erlaubt. Nichts bleibt dem Zufall überlassen. Selbst der Verzicht auf Tageslicht hilft den Wissenschaftlern, die Ausgangsbasis für ihre Experimente einheitlich zu halten: Bei UV-Strahlung bildet der Körper Vitamin D, das wiederum für eine verstärkte Kalziumaufnahme sorgt - und somit auf den Knochenbau Auswirkungen hat. Damit bei allen Teilnehmern dieselbe Menge Vitamin D im Spiel ist, gibt es statt individuellem Sonnenbaden eine Tablette mit einheitlicher Konzentration für alle. Fast 40 Mitarbeiter sind rund um die Uhr im Einsatz, um die Probanden zu untersuchen, zu testen und zu versorgen.

Nach drei Wochen wackelig auf den Beinen

Spannend wird es in drei Wochen, wenn die Teilnehmer der Studie das erste Mal wieder aufstehen müssen. "Die werden ganz schön wackelig sein", schätzt Petra Frings-Meuthen. "Das bessert sich aber schnell wieder nach ein, zwei Stunden." Ein ganzes Ärzteteam wird sich dann mit den Probanten beschäftigen und eine Woche lang Untersuchungen wie Knochendichtemessungen, Muskelkrafttests, Gang-Analysen und Gleichgewichtstest durchführen. Die Ergebnisse werden dann mit den Untersuchungen verglichen, die eine Woche vor der Ruhephase vorgenommen wurden.

Im Sommer müssen die Probanden dieselbe Prozedur noch einmal über sich ergehen lassen, um die Ergebnisse zu überprüfen.

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